Zweite Anlage am Plateau: Ortswärme Seefeld nimmt neues Biomasseheizwerk in Betrieb

Seit Ende Juni speist das Biomasseheizwerk in der Leutascherstraße Wärme aus regionalem Holz ins Netz

Zweite Anlage am Plateau: Ortswärme Seefeld nimmt neues Biomasseheizwerk in Betrieb

In der Leutascherstraße erzeugt die Ortswärme Seefeld künftig Fernwärme aus heimischen Hackschnitzeln, ergänzt um Photovoltaik und zwei Pufferspeicher. Rund 2,3 Millionen Euro netto flossen in die Anlage. Im Endausbau soll sie jährlich etwa 2,2 Millionen Kilowattstunden ökologische Fernwärme liefern und damit die Region ein weiteres Stück unabhängiger von fossilen Importen machen.

Mit der Inbetriebnahme des neuen Biomasseheizwerks in der Leutascherstraße baut die Ortswärme Seefeld ihre regionale Wärmeversorgung weiter aus. Seit Ende Juni speist die Anlage Energie in das Fernwärmenetz am Seefelder Plateau ein und versorgt damit Haushalte, Betriebe und öffentliche Einrichtungen mit Wärme aus Biomasse der Region. Herzstück sind dabei zwei Biomassekessel und zwei Pufferspeicher mit je 40.000 Litern Fassungsvermögen, die Lastspitzen abfedern und einen durchgehenden Betrieb rund um die Uhr sichern. Auf dem Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage mit 25 Kilowatt Peak einen Teil des benötigten Stroms direkt vor Ort. Über 620 Trassenmeter neu verlegtes Fernwärmenetz gelangt die Wärme zu den Abnehmer:innen. Im Endausbau soll die Anlage jährlich rund 2,2 Millionen Kilowattstunden ökologische Fernwärme liefern.

Weiteres Signal für regionale Unabhängigkeit

Für Bürgermeisterin Andrea Neuner stärke das Projekt nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die regionale Unabhängigkeit, betonte sie zur Inbetriebnahme. Das Vorhaben zeige, was möglich sei, „wenn Gemeinde, Wirtschaft und Ortswärme gemeinsam an einem Ziel arbeiten“. Andreas Glatzl, Geschäftsführer der Ortswärme Seefeld, sieht in dem Heizwerk außerdem eine gezielte Investition in die Zukunft der Region. Es zeige, wie eine verlässliche und nachhaltige Energieversorgung aus heimischen Ressourcen gelingen könne. Rund 2,32 Millionen Euro netto, brutto etwa 2,8 Millionen Euro, wurden für die Anlage aufgewendet.

Ortswärme als Pionier, der weiterdenkt

Die Ortswärme Seefeld gilt seit Jahren als einer der Klimaschutz-Vorreiter in Tirol. Bereits 2007 fiel der Spatenstich für das erste Heizhaus, seither ist der Betrieb kontinuierlich gewachsen. Weil die Versorgung auf rund 1.200 Metern Höhe – bei zeitweise bis zu minus 28 Grad – besondere Anforderungen stellt, setzt das Unternehmen immer wieder auf neue technische Lösungen. Zuletzt ging 2024 eine Wärmepumpenanlage in Betrieb, die Ökoenergie aus Abwasser und Rauchgas gewinnt. Schon damals war ein weiteres, kleineres Heizwerk in Planung; jenes, das nun in der Leutascherstraße ans Netz gegangen ist. Der Auftrag der Ortswärme bleibe dabei stets derselbe, wie Glatzl hervorhebt: „Dass wir ökologisch, nachhaltig und so unabhängig wie möglich von fossilen Stoffen sowie regional mit lokaler Wertschöpfung tätig sind.“

Baustein eines größeren Netzes

Das neue Werk fügt sich in eine bereits weit verzweigte Struktur ein. Die Ortswärme Seefeld liefert nach eigenen Angaben jährlich rund 60 Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie an ihre Kund:innen, betreibt mehr als 26 Kilometer Fernwärmenetz und hat rund 390 Gebäude unter Vertrag. Umgerechnet werden damit etwa 9.500 Menschen mit Wärme, Warmwasser oder Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt.

Dabei stammt der Rohstoff aus der unmittelbaren Umgebung: Das Holz für die mehr als 100.000 Schüttraummeter Hackschnitzel, die jährlich verheizt werden, kommt aus einem Umkreis von weniger als 50 Kilometern. Ergänzt wird die Wärmeerzeugung durch Ökostrom aus Wasserkraft und Sonne.

Seit ihrem Bestehen habe die Ortswärme so mehr als 795 Millionen Kilowattstunden Energie ökologisch erzeugen können, rechnete Glatzl in seiner Ansprache vor. Das entspreche annähernd 100 Millionen Litern Heizöl – und rund 290.000 Tonnen Kohlendioxid, die auf diese Weise nicht in die Atmosphäre gelangt seien.

Tag der offenen Tür

Anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme öffnete die Ortswärme Seefeld am 30. Juni 2026 die Türen in der Leutascherstraße. Besucher:innen konnten die neue Anlage besichtigen und sich vor Ort informieren, wie aus regionalem Holz Wärme für das Seefelder Plateau entsteht.

Die Energiewende beginne nicht irgendwo, sondern direkt vor der Haustür, sagte Glatzl zum Abschluss – getreu dem Motto: global denken, lokal handeln. „Das ist gelebter Umweltschutz und lokale Kreislaufwirtschaft. Und wie meine Kinder sagen: Weltschutz“, konkretisiert er. Die Botschaft dahinter ist einfach: Die Energie der Zukunft muss nicht von weit herkommen. Ein nicht unwesentlicher Teil davon wächst bereits vor der eigenen Haustür.

Bildquelle:
Ortswärme Seefeld GmbH
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