
Noch heute sind die Spuren des Unwetters sichtbar: Ein heftiger Hagelsturm hatte am Sonntagnachmittag des 30. Juni 2024 in wenigen Minuten die Gegend rund um Auffach verwüstet. „Wir haben gleich nach dem Sturm eine Schätzung abgegeben, wie groß der Schaden ist“, erinnert sich Thomas Dummer, der gemeinsam mit Hubert Auer die Waldaufsicht in der Wildschönau innehat. „Über die Feuerwehr konnten wir eine Drohne einsetzen.“ Am nächsten Tag war eine erste Einschätzung da – und die hatte es in sich: Mehr als 30.000 Festmeter Holz lagen am Boden.
Eine gewaltige Menge, wie Auer betont: „In einem guten Jahr kommen wir in Niederau, Oberau, Thierbach und Auffach gemeinsam auf rund 23.000 Festmeter. Die 30.000 waren diesmal allein in Auffach – auf einen Schlag und ohne die Fläche der Bundesforste.“ Auch von dort kam noch einiges dazu. Die Herausforderung war also enorm. Nicht nur die schiere Menge an Holz musste bewältigt werden, sondern auch die Organisation der Firmen, die es aufarbeiten sollten. Doch die Gemeinschaft in der Wildschönau funktionierte. „Wir haben das ganze Holz innerhalb eines Jahres aufarbeiten können“, sagt Dummer stolz.
Die Holzernte ist aber die eine Sache, einen Abnehmer für das Energie- und Nutzholz zu finden die andere. Eine zentrale Rolle spielte hierbei das Biomasse-Heizwerk der Bäuerlichen Heizgenossenschaft Wildschönau. Von Anfang an war klar, dass es einen Teil des Schadholzes übernehmen werde – am Ende war es sogar ein Großteil. Das war nicht nur organisatorisch ein Glücksfall, sondern auch energetisch: Biomasse-Heizwerke ermöglichen eine CO₂-neutrale Wärmeproduktion und verwandeln Schadholz in regional nutzbare Energie, anstatt es ungenutzt liegen zu lassen. „Wir haben geschaut, dass wir so viel wie möglich abnehmen können“, erklärt Michael Weißbacher, geschäftsführender Obmann der Genossenschaft. „Die Zusammenarbeit mit den Waldaufsehern war sehr gut, jeder hat den anderen unterstützt.“
Der Sturm war aber für alle eine böse Überraschung – und brachte die Logistik an ihre Grenzen. Umso entscheidender war, dass das Heizwerk genau in diesem Moment zum unverzichtbaren Partner wurde: „Die Lkw-Fahrer waren froh, dass sie das Holz nicht weit transportieren mussten“, schildert Weißbacher. Und weiter: „Der Weg war kurz, das hat uns enorm geholfen.“ Was das Heizwerk nicht übernehmen konnte, ging über die Firma Lehner in den Verkauf.
Ein Beispiel für den gelebten Zusammenhalt zeigte sich auch bei den Sägewerken: Normalerweise berechnen Betriebe ab einem Durchmesser von 60 Zentimetern einen sogenannten Stärkeabschlag – das Holz ist zu dick und der Preis sinkt. Nicht so in der Wildschönau. Das einheimische Sägewerk Stefan Klingler verzichtete auf einen Teil des Abschlags. „Kein Stück Starkholz über 60 Zentimeter ist aus dem Hochtal gefahren“, weiß Dummer. „So haben die Bauern einen besseren Preis erzielt – und das Holz blieb in der Region.“
Doch Zeit war ein entscheidender Faktor: Das Holz durfte nicht zu lange im Wald liegen bleiben, denn der Borkenkäfer breitet sich nach Windwürfen rasend schnell aus. „Eine Lösung war, die frischen Stämme sofort zu hacken, zu belüften und im Heizwerk zu verwerten“, erklärt Weißbacher. „Zudem konnten wir an einem Lagerplatz einlagern, den wir schon vor dem Sturm neu angelegt hatten, weit genug vom Wald entfernt.“
Was nach einem klaren Ablauf klingt, war in der Realität eine enorme Herausforderung, wie Hubert Auer vom Forstdienst berichtet, der die Koordination leitete: „Das alles auf die Beine zu stellen, war nicht ohne.“ Auch von den Bundesforsten kam Lob, normalerweise werden bei solchen Ereignissen zusätzliche Lagerplätze errichtet. „Wir haben das großteils ohne geschafft. Die Zusammenarbeit mit den Firmen war einfach großartig.“
Auch Dummer erinnert sich: „Ich hatte wirklich Sorge, weil ich die Bilder aus Osttirol und dem Zillertal im Kopf hatte. In der Forstwirtschaft sagt man: Windwurf mal zwei, ein Jahr später der Käfer.“ Das hätte bedeutet, dass zu den 30.000 Festmetern Windwurf rund 60.000 Festmeter Käferholz hinzugekommen wären. Doch dazu kam es nicht. „Wir haben heute nahezu keinen Käferbefall“, bilanziert Auer. „Und das liegt unter anderem daran, dass alle zusammengeholfen haben. Das Wetter hat uns auch in die Karten gespielt.“ Dummer ergänzt: „Und wir sind froh, dass wir das Heizwerk haben. Was täten wir sonst mit dem ganzen Holz?“ Ob Biomasse-Heizwerk, Forstdienst, Waldaufseher, Bauern, die Feuerwehr, regionale Firmen wie Lehner, Pfeifer, Neuschmied und Klingler, die Gwiggner Seilbahn, das Außendienst-Team des Tourismusverbandes rund um Matthias Silberberger oder die Gemeinde – in der Wildschönau hat jeder mitangepackt. Ein Hochtal, das zeigt, was möglich ist, wenn alle am selben Strang ziehen.
Was die Biowärme also für die Region bringt? Eine smarte Lösung, die nahe Ressourcen sinnvoll nutzt und voll auf Nachhaltigkeit setzt. Die Wildschönau lebt das bereits: eine Kreislaufwirtschaft ohne fossile Rohstoffe, die nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich Sinn macht. Gerade der Klimawandel führt zunehmend zu Schadholzmengen, wie durch den Sturm 2024, die in der Holzindustrie nur begrenzt verwendbar sind. Im Heizwerk jedoch können sie zu CO₂-neutraler Wärme verarbeitet werden.
„Holz ist bekanntermaßen das Rückgrat der Energiewende“, weiß Weißbacher. Mit einem Biomasseanteil von aktuell 99 Prozent ist das Heizwerk regional verwurzelt. Rund 80 Prozent des Energieholzes stammen direkt von Bäuerinnen und Bauern aus der Wildschönau – Energie von hier, für hier. Davon profitieren alle: die Forstwirtschaft, die regionale Wirtschaft und nicht zuletzt die Umwelt. Modernste Technik sorgt dafür, dass das Heizwerk die Grenzwerte für Kohlenmonoxid (CO) deutlich unterschreitet, nahezu bei 0 ppm.
Damit bietet das Biomasse-Heizwerk in Oberau seit 2001 seinen Kund:innen nicht nur hohen Bedienungskomfort bei geringem Platzbedarf, sondern auch zuverlässige Versorgungssicherheit – losgelöst von globalen Energiemärkten und Krisenfällen. Das schafft Unabhängigkeit von Energieimporten und garantiert eine sichere Zukunft mit erneuerbarer Wärme aus der Wildschönau.
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