
Fernwärme gilt als einer der Schlüssel für die Wärmeversorgung der Zukunft – und trotzdem wissen viele Menschen nur grob, was eigentlich dahintersteckt. Man kennt den Begriff, liest davon in Gemeindeblättern oder Wohnbauprojekten, doch wie die Wärme tatsächlich ins Haus kommt, bleibt oft abstrakt. Dabei ist das Prinzip erstaunlich einfach: Wärme wird zentral erzeugt und über ein Leitungsnetz genau dorthin transportiert, wo sie gebraucht wird.
Wer zu Hause die Heizung aufdreht oder warm duscht, denkt selten darüber nach, woher diese Wärme eigentlich kommt. Lange Zeit standen dafür vor allem einzelne Öl- oder Gasheizungen in den Kellern. Heute setzen jedoch immer mehr Gemeinden, Betriebe, Wohnanlagen und Privathäuser auf zentrale Wärmeversorgungssysteme – sogenannte Fernwärme- oder Nahwärmenetze. Das Ziel dahinter: Energie effizienter nutzen, regionale und erneuerbare Ressourcen einsetzen und Wärmeversorgung einfacher machen.
Die Wärme wird in Heizwerken erzeugt, die meist eine ganze Gemeinde, ein Wohngebiet oder mehrere Betriebe gleichzeitig versorgen. Bei den Mitgliedern der BioWärme Tirol kommt dabei besonders häufig Biomasse für die Energieerzeugung zum Einsatz. So wird in Orten wie Waidring, Söll, Ebbs, Terfens, Längenfeld, St. Anton, Steinach am Brenner, Lermoos, Zams, Hall, Kufstein oder im Osttiroler St. Jakob in Defereggen, Matrei und Lienz mit regionalen Energieträgern gearbeitet, etwa mit Hackschnitzeln aus der Forstwirtschaft. Der Vorteil: Die Energie stammt aus der Region und muss nicht über weite Strecken erst angeliefert werden. Gleichzeitig können lokale Wertschöpfungsketten gestärkt werden, weil Waldbesitzer:innen, Forstbetriebe und regionale Unternehmen eingebunden sind.
Neben Biomasse nutzen moderne Wärmesysteme heute oft mehrere Energiequellen gleichzeitig. Dazu zählen etwa industrielle Abwärme wie in Innsbruck, St. Johann in Tirol oder Wörgl, Wärmepumpen wie in Seefeld oder Gerlos, Power2Heat – also die Verwertung „überschüssigen“ erneuerbaren Stroms für die Wärmeerzeugung – wie in Hall oder Wörgl und Solarenergie wie in Lienz oder Natters. Zudem werden die Systeme laufend weiterentwickelt, damit sie möglichst effizient und klimafreundlich arbeiten. Die BioWärme Tirol hat hierzu auch eine eigene Arbeitsgruppe zu innovativen Technologien und Wärmenetzen initiiert.
Von außen betrachtet sieht man Fernwärme kaum, denn der wichtigste Teil des Systems liegt unter der Erde. Dort verlaufen gut isolierte Leitungen, durch die heißes Wasser transportiert wird. Dieses sogenannte Wärmenetz verbindet das Heizwerk mit den angeschlossenen Gebäuden: Das heiße Wasser aus dem Wärmenetz gibt seine Energie über einen Wärmetauscher an das Heizsystem und die Warmwasserbereitung im Gebäude ab. Der Wärmetauscher ist hierbei in eine kompakte Übergabestation verbaut, welche die Verbindung zwischen Wärmenetz und Hausanlage darstellt. Sie fungiert damit als Schnittstelle zwischen dem öffentlichen Netz und dem Heizsystem des/der Kund:in. Nach der Wärmeübergabe fließt das abgekühlte Wasser zurück zum Heizwerk, wird erneut erwärmt und somit der Kreislauf geschlossen.
Für Haushalte bedeutet das vor allem: Kein eigener Heizkessel, kein Brennstofflager und kein laufender Wartungsaufwand wie bei klassischen Einzelheizungen. Eine Explosions- oder Brandgefahr besteht darüber hinaus zu keiner Zeit, im Fernwärmenetz befindet sich ausschließlich heißes Wasser. Fernwärme eignet sich dabei nicht nur für große Wohnanlagen. Auch Einfamilienhäuser, öffentliche Gebäude, Hotels oder Gewerbebetriebe können angeschlossen werden – überall dort, wo ein Wärmenetz vorhanden ist. Auf der Geo-Landkarte der BioWärme Tirol findet man die Mitgliedsbetriebe im ganzen Bundesland.
Fernwärme ist also weniger kompliziert, als viele vermuten. Das Prinzip dahinter ist leicht verständlich: Wärme wird zentral erzeugt und effizient dorthin transportiert, wo sie benötigt wird. Moderne Wärmenetze verbinden regionale Energiequellen mit komfortabler Versorgung im Alltag – und das zuverlässig, platzsparend, klimafreundlich und nicht zuletzt zukunftsorientiert.
Ist Fernwärme nachhaltig?
Das hängt davon ab, womit die Wärme erzeugt wird. Besonders nachhaltig sind Systeme, die regionale Biomasse, industrielle Abwärme oder erneuerbare Energiequellen nutzen. Für die Mitgliedbetriebe der BioWärme Tirol gilt: Ein Anteil von zumindest 80 Prozent an erneuerbarer Wärme ist Voraussetzung. Moderne Fernwärmenetze werden außerdem zunehmend klimafreundlich ausgebaut.
Wie funktioniert ein Fernwärme-Anschluss?
Zunächst wird geprüft, ob sich das Gebäude im Versorgungsgebiet befindet. Danach erfolgt der Anschluss an das Wärmenetz sowie der Einbau der Übergabestation im Haus und die Einbindung in das bestehende Heizsystem des/der Kund:in.
Für wen eignet sich Fernwärme?
Grundsätzlich für viele Gebäudetypen – vom Einfamilienhaus bis zum Gewerbebetrieb. Besonders interessant ist Fernwärme überall dort, wo eine einfache, wartungsarme und langfristige Wärmeversorgung gefragt ist.
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